facebook-Beitrag im “Frizz Das Magazin Halle” vom 17.11.2020

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„Denn das geht nicht nebenbei“
Sogenannte Pflegenest-Eltern, die Kinder aus Heimen aufnehmen, bekommen in Halle neuerdings einen Arbeitsvertrag – und Geld. Über eine bemerkenswerte Initiative der Hallesche Jugendwerkstatt und ihrer Geschäftsführerin Anna Manser (Foto)
Wir alle werden in dieses Leben geworfen, gewollt oder ungewollt, wohlig empfangen oder nach Halt suchend. Die meisten haben Glück und wachsen als Teil einer Familie auf. Andere erleben zu früh einen herben ersten Bruch. Keine Mütterwärme, kein intimes Nest. Dann – und das ist ja auch ein Glück – kommen Angebote der Jugendhilfe ins Spiel, wie Adoption, Heimplatz oder Pflegeeltern. Die Liste der Kinder die zur Adoption frei gegeben werden, ist kurz. Die der Paare, die sich als Pflegeeltern melden auch. Was zu vielen Kindern bleibt, ist der Heimaufenthalt, mit täglich wechselnden Betreuern und dem Gefühl irgendwie nicht ganz richtig zu sein, weder am Ort, noch bei sich selbst.

In Halle will das jetzt das Konzept Pflegenester ändern und Voraussetzungen für einen tatsächlichen Bindungsaufbau, für das Wachsen von Vertrauen in einer Familie schaffen. Und deshalb suchen die Pflegenester auch Pflegenest-Eltern. Nicht irgendwann sondern jetzt!
Das Neue an dem Angebot ist, dass die Pflegenest-Eltern einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertrag und dazu einen monatlichen Grundbetrag bekommen. Diese finanzielle Absicherung ermöglicht den Wahleltern, sich ihren Schützlingen wirklich zu widmen.
Kinder-Betreuung als Fulltimejob? „Ja, denn es braucht Zeit, Fürsorge, Fähigkeit und Bereitschaft zur Auseinandersetzung und möglichst unbelastete Pflegenest-Eltern, um die frühkindlichen Wunden zu heilen. Das geht nicht nebenher und verlangt nach finanzieller Absicherung“, sagt Anna Manser, Geschäftsführerin der Halleschen Jugendwerkstatt. Und weiter: „Da sind wir als Gesellschaft in der Verantwortung, neue Möglichkeiten des Aufwachsens zu schaffen, um bedürftigen Kindern ihre Kindheit so angenehm wie möglich zu gestalten.“
Manser und ihr Team schauen natürlich ganz genau, ob die Pflegenest-Eltern die Ansprüche erfüllen können und ein wirklicher Beziehungsaufbau zwischen Eltern und Kind entsteht. Sehr gut begleitete Kennlernphasen, Betreuer, welche den neuen Familien bei allen Belangen zur Seite stehen, stärken und schützen Pflegenest-Eltern und auch die Kinder.
Das Konzept der halleschen „Pflegenester“ verdient Aufmerksamkeit, Öffentlichkeit und Beteiligung. In jedem Fall! Denn am Ende ist es so, wie Astrid Lindgren einst sagte: “Man kann in Kinder nichts hinein prügeln, aber vieles herausstreicheln.”
Nähere Auskünfte zu den „Pflegenestern“ unter 0345-22580300 oder Kontaktaufnahme per Mail: pflegenest@hal-jw.de.

Text: FRIZZ Das Magazin / Annett Krake, Foto: jw-frohe-zukunft.de